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Tabu, und nu?

Heute schon einen Porno geschaut? Heute schon geweint? Heute schon einen Fehler zugegeben? Dies sind nur einige Beispiele für Tabus in unserer Gesellschaft. Damit will ich nicht sagen, dass man jedem unter die Nase binden muss, wann man seinen letzten Porno gesehen hat. Und dennoch ist Sexualität ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Gerade junge Menschen haben heutzutage einen unglaublich einfachen Zugang zu pornografischen Material. Ihre Wahrnehmung und die Realität liegen nicht selten weit auseinander. Das halte ich für sehr gefährlich. Es könnte zu einer Doppelmoral führen. In Schulseminaren spreche ich diese Punkte manchmal an. Das führt immer mal wieder dazu, dass Eltern nachfragen, ob das denn sein müsse. Letztendlich ist es den Eltern unangenehm, dass Thema selbst anzusprechen. Unangenehmer als sich von seinem Partner den Hintern schlagen zu lassen!?

Zuzugeben, dass man sich mal einen Porno angeschaut hat, ist in unserer Gesellschaft fast genauso schwer wie zu seinen Gefühlen zu stehen. OK, Frauen fällt das sicherlich leichter als Männern(Vorurteil). Ich habe erst letzte Woche wieder erlebt, wie einem kleinen Jungen, der sich verletzt hatte gesagt wurde, er solle aufhören zu weinen. Er sei doch ein Mann. Männer weinen doch nicht. Ganz ehrlich! In solchen Situationen könnte ich aus meinem Hemd springen. Was soll diese Scheiße? Was lernt der Junge? Der Junge lernt folgendes: „Ich bin nicht gut wie ich bin!“. Ich muss mich ändern! Ich darf keine Gefühle zeigen. Das sind dann Menschen die im Geschäftsleben „sachlich“ bleiben wollen, obwohl sie gerade innerlich eskalieren.

Fehler

Genauso läuft es mit Fehlern. Macht man einen Fehler, wird man ausgelacht. Es wird auf dem Fehler rumgehackt. Gerade wir Deutschen sind ganz weit vorn, wenn es darum geht, einen Schuldigen zu suchen. Wer hat das verbockt? Wer ist Schuld? Wen können wir verantwortlich machen? Wir verwenden unglaublich viel Energie für diese Suche. Anstatt wir diese Energie dafür nutzen, Lösungen zu finden. Ich finde die Tatsache, dass überhaupt noch jemand politisch aktiv wird, fast ein Wunder. Jeder Fehler eines Politikers wird gleich ausgeschlachtet. Wir fordern Rücktritt. Und noch schlimmer! Wir stellen die Menschen an den Pranger. Wir haben völlig das Maß für den angemessenen Umgang mit diesen Fehlern verloren. Das Maß, wie weit wir jemanden öffentlich kritisieren dürfen. Ich finde das Recht Kritik zu üben unabdingbar. Es sollte sich doch jeder selbst Fragen, wie weit man gehen darf. Und vor allem ob das zielführend ist.

Dabei sind Fehler so wichtig. Denn sie machen Entwicklung erst möglich. Das schlimmste was passieren kann ist, dass sich keiner mehr traut einen Fehler zu machen. In meinen Seminaren erlebe ich immer wieder Menschen, die in eine Art Starre verfallen, aus Angst einen Fehler zu machen. Wenn ich es aber erst gar nicht versuche, werde ich auch keine neuen Erfahrungen machen. Ich bin der Meinung, dass kein Mensch an Aufgaben oder Projekten scheitert. Wenn man scheitert, dann nur an sich Selbst.

Trend

Seit kurzem gibt es erfreulicher Weise einen Trend, der diesem Tabu entgegenwirken will. Die Fuck-Up-Nights! Schlaue Menschen haben erkannt, dass immer weniger Menschen ein Unternehmen gründen, aus Angst zu Scheitern. Nochmal, es geht nicht darum jetzt jeden Fehler zu machen. Vielmehr geht es darum, nicht zu versuchen, jeden noch so kleinen Fehler zu vermeiden. Fehler passieren! Meistens kommt es sowieso anders als geplant.

In der heutigen Entwicklung, ist Kreativität, Agilität und Flexibilität immens wichtig für den Erfolg eines Unternehmens.

Wenn wir diese Tabuthemen aufbrechen wollen, brauchen wir den Mut darüber zu sprechen. Ich würde mir wünschen, dass wir Facebook und andere Medien dazu nutzen, diese Tabus aufzugreifen. Machet Fehler und vermehret euch!

P.S.: Wer Fehler findet, darf sie behalten!
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